Review: Blood Red Shoes – STAY LONELY: Rumpelrock auf Zeitreise

Die Gegenwart ist auch auf den neuen Songs des Indie-Disco-Duos eher eine Randnotiz.
Unmittelbarkeit war immer ein wichtiger Teil der Blood-Red-Shoes-DNA. Das Duo aus Brighton, das einem ähnlichen kulturellen Hallraum entspringt wie The Kills, erlaubte sich dabei aber durchaus Varianzen, gab seinem Rumpelrock mal große Melodien, mal Industrial-Einflüsse mit. STAY LONELY zeigt Laura-Mary Carter und Steve Ansell in ihrer klassischen musikalischen Konfiguration, was daran liegen mag, dass das Album komplett in Eigenregie entstand.
Betriebe man Ahnenforschung, würde man schnell beim 2014 erschienenen und in Berlin entstandenen BLOOD RED SHOES landen, dem bisher besten Werk der beiden. Einzelne Spuren reichen sogar noch tiefer zurück: „Get Back Into Myself“ lädt mit seinen mächtigen, gelayerten Gitarren zur Zeitreise in die letzten großen Indie-Disco-Jahre ein (so 2005 bis 2007), während „Two Weeks“ mit mindestens eineinhalb Beinen in verschiedenen Rock-Spielarten der 1970er-Jahre steht, den Refrain dann aber formvollendet Richtung Pop lenkt.
Kleine Anmerkung: Vielleicht hätte man sich ein bisschen mehr Chaos gewünscht, aber für dieses Problem gäbe es ja eine Lösung: Analog zum 2023 erschienenen und ganz hervorragenden THE STONE TAPES wäre auch hier ein Remixalbum interessant.
Jochen Overbeck schreibt für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.
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