Draußen! Neue Alben von Chelsea Wolfe, Muff Potter, Anthrax und mehr

Album der Woche: Chelsea Wolfe – “The Dark”
Chelsea Wolfes neues Album weicht vom Vorgänger ab: Die Singer/Songwriterin setzt nicht mehr auf elektronische Klänge in ihrem emotionalen Düster-Folk, sondern arbeitet wieder vermehrt mit Gitarre und Piano. “The Dark” wabert dadurch auf eine zeitlose und äußerst zugängliche Art durch die düsteren und hochpersönlichen Texte. Trotz namhafter Gastbeiträge von Musikern von Nine Inch Nails und Warpaint bleibt Wolfes hypnotische Stimme im puren, oft reduzierten Fokus. Nach der digitalen Veröffentlichung von Mitte August, folgt ab heute auch die physische Version.
Muff Potter – “Klepto”
Die aus Rheine und Münster stammenden Muff Potter bringen auf ihrem neuen Album poppige Einflüsse unter und bedienen sich vieler Zitate – wie der Name der Platte “Klepto” bereits suggeriert. Den Kern ihres Sounds behalten sie zwar bei, dennoch spaltet das Album die Redaktion.
Anthrax – “Cursum Perficio”
Anthrax existieren schon seit 1981, weshalb die Thrash-Metal-Giganten es sich offenhalten, ob sie nach “Cursum Perficio” noch ein Album veröffentlichen werden, oder nicht. Anthrax halten sich die meiste Zeit der neuen Platte zwar nicht mehr in Thrash- und Hardcore-Bereichen auf, crunchige Riffs gibt es aber zuhauf.
Beck – “Ride Lonesome”
Beck besinnt sich in “Ride Lonesome” auf seine Ursprüngsklänge aus dem Folk und Country und klingt auf seinem fünfzehnten Album so melancholisch und atmosphärisch wie zuletzt auf “Sea Change” und seinem Grammy-Album “Morning Phase”, das ebenfalls damals von Nigel Godrich produziert wurde.
Blood Red Shoes – “Stay Lonely”
Das Rock-Duo aus Brighton ist zurück und ihre Musik klingt überraschend verwandelt und doch vertraut. “Stay Lonely” von Blood Red Shoes markiert 20 Jahre Bandbestehen: Laura-Mary Carter und Steven Ansell zeigen ein weiteres Mal ihr Gespür für große, eingängige Songs – diesmal mit Elektro-Twist und komplett autark produziert.
Beabadoobee – “Pylon”
Die 26-jährige Beabadoobee geht mit ihrem vierten Album “Pylon” wieder früheren 90s‑Grunge- und Alternative-Rock-Sounds nach, wie einst in ihren Anfangszeiten. Weniger Pop, wieder mehr Gitarre und Gastauftritte von Größen wie Brendan Yates, Hayley Williams, Chino Moreno und mehr.
C.O.F.F.I.N – “Out In Oslo”
“Out In Oslo” ist eine weitere C.O.F.F.I.N-Platte, die ballert und bellt. Die australische Rock’n’Roll-Band klingt auch nach über 20 Jahren Bandbestehen immer noch wie ihr dreckiges Selbst, herbeigeführt vom draufgängerischen Schlagzeug und von melodischen Kontrasten.
De Staat – “De Staat”
Nach zweijähriger Pause meldet sich die niederländische Alternative-Rock-Band De Staat eindrucksvoll zurück: Das selbstbetitelte Album treibt das fast 25-jährige Bestehen der Formation konzeptionell auf die Spitze. Musikalisch kompromisslos, paaren sich schwere, industrielle Grooves und die rohe Energie von Post-Punk. Inhaltlich düster und dringlich.
Cor de Lux – “Year Of The Horse”
Cor de Lux machen trotz neuem Label immer noch DIY-Gitarrenmusik zwischen Post-Punk, Noise und Indierock. Auf dem neuen Album “Year Of The Horse” hört sich die Band aus einer Kleinstadt in North Carolina immer noch so experimentierfreudig und unvorhersehbar an, wie auf ihrem Debüt 2025.
Emma Ruth Rundle – “These Killing Times”
Diesmal wieder mit voller Bandbesetzung überzeugt Emma Ruth Rundles sechstes Album “These Killing Times” mit intensiven Themen und dem düster raumgreifenden Kompositionstalent der Multiinstrumentalistin aus den USA. Dynamische Songs, gemischt aus Gothic-Rock, Post-Rock, Dark-Folk, Shoegaze, Ambient und Doom.
Team Dresch – “Furthermore”
Die wenigsten Bands können von sich behaupten, 30 Jahre Pause zwischen zwei Alben zu haben – und dann klingen Team Dresch auch noch wie früher. Die Queercore-Band bleibt bewusst empowernd und druckvoll und verteidigt mit “Furthermore” den Legendenstatus, den sie in den 90ern erreichten.
Triggerfinger – “Tarmac”
2025 verstarb Triggerfingers Bassist Paul Van Bruystegem, die verbleibenden Mitglieder veröffentlichen mit “Tarmac” die erste Platte zu zweit. Dort arbeitet das belgische Duo mit ausgeprägten Drums, die sowohl die tanzbaren Beats als auch die Garage-Rock-Einflüsse herausarbeiten.
Slow Pulp – “Melodie”
Das dritte Album “Melodie” verbindet die gewohnte Melancholie und den Indierock von Slow Pulp mit Dream-Pop-Elementen, poppigeren Hooks und wuchtigen Shoegaze-Ausbrüchen. Entstanden in Zusammenarbeit mit Produzent Elliott Kozel, präsentiert sich das Album als bittersüße und facettenreiche Platte voller emotionaler Kontraste.
Slothrust – “What They Grow In The Garden”
Für ihr neues Album haben sich Slothrust – erstmals als Duo – die Genrebezeichnung des dystopischen Theater-Rocks gegeben. “What They Grow In The Garden” führt damit durch Traumlandschaften, die surreal erscheinen, und hält sich ans eigene Konzept, was nicht unbedingt immer vorteilhaft scheint.
Kristin Hersh – “Sugar On Blackstone”
Die US-amerikanische Singer/Songwriterin Kristin Hersh ist vor Kurzem 60 Jahre alt geworden und veröffentlicht munter weiter Alben. Mit “Sugar On Blackstone” hat sie ein weiteres Album geschrieben, das ihre Wut verarbeitet und ihre heisere Stimme mit minimalistischen Arrangements verbindet.
Dragonflies – “Dragonflies”
Das Duo Dragonflies besteht aus Beatles-Sohn Dhani Harrison und Produzent Nigel Godrich. Die beiden kombinieren auf ihrem selbstbetitelten Album mit Psychedelic-Rock, Britpop und TripHop eine Mischung, die filmreife Atmosphären aufbaut und Klangwelten jenseits der einzelnen Genres erforscht.
Der Beitrag Die Alben der Woche erschien zuerst auf VISIONS.de.
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